AUF UND AB ÜBER DIE BRÜCKEN

In eine Aura aus Poesie eingebettete Behüter von Geschichte und Legenden des Volkes, enge, malerische und kostbare Verbindungen zwischen den Gassen: das sind die Brücken von Venedig, der einzigartigen Lagunenstadt.

Sogar 446 Brücken schaffen mit ihren eleganten Bögen eine labyrinthische Verflechtung zwischen den venezianischen Kanälen. Ursprünglich bestanden sie alle aus Stein, verfügten über keinen seitlichen Schutz und wurden “bande” (Bänder, Streifen) genannt. Im vergangenen Jahrhundert versah man sie aus Sicherheitsgründen alle mit einem Geländer und heute gibt es nur noch zwei Brücken ohne. Eine davon ist die Teufelsbrücke (Ponte del Diavolo) auf der Insel Torcello. Ihr Name leitet sich aus einer kuriosen Legende ab: man erzählt sich nämlich, dass der Teufel persönlich, in einen schwarzen Kater verwandelt, jedes Jahr am 24. Dezember genau um Mitternacht auf der Brücke erscheint.
Die Brücke von Torcello ist nicht die einzige, hinter der sich eine Legende verbirgt. Auch die Brücke der Wunder (Ponte delle Meraviglie) im Viertel Dorsoduro hüllt sich in ein Mysterium: in ihrer Nähe soll eine Familie mit sieben Schwestern gewohnt haben: sechs waren schön und voller Anmut, die kleinste dagegen war ziemlich hässlich. Am Ende jedoch versetzte gerade diese alle Leute in Erstaunen: nach einer klaren Nacht, in der am Himmel sieben Sterne erschienen, sechs leuchtende und ein matterer, verwandelte sich die kleine Schwester zur schönsten von allen.
Ihre charakteristischen Namen haben die Brücken von Venedig in Anlehnung an ihre Funktion, ihre Besonderheiten oder ihre Geschichte von den Venezianern erhalten. Die Strohbrücke (Ponte della Paglia), die den Rio di Palazzo (in der Nähe des Dogenpalasts) überspannt, heißt so, weil hier die vom Lande kommenden, mit Stroh beladenen Boote anlegten. Die weltberühmte Seufzerbrücke (Ponte dei Sospiri) ist die Brücke, die von den vielen Touristen, die Venedig jedes Jahr besuchen, am allermeisten fotografiert wird. Sie ist nicht weit vom Markusplatz entfernt und verbindet den Dogenpalast mit dem alten venezianischen Gefängnis; daher stammt auch der Name, denn in längst vergangener Zeit mussten die Gefangenen nach dem Schiedsspruch über diese Brücke gehen – seufzend, im Gedanken an ihren baldigen Tod. 
Eines der berühmtesten Wahrzeichen der Stadt ist zweifelsohne die Rialtobrücke – die älteste der über den Canal Grande führenden Brücken. Das Viertel Rialto war das Handelszentrum der Serenissima, hier befanden sich die wichtigsten Handelsgerichte und die Niederlassungen der Seeversicherungen. Heute wird hier der Markt abgehalten: mit seinen bunten Ständen voller Obst, Gemüse und Fisch ist er einer der lebhaftesten und malerischsten Plätze der Stadt.

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