BERGAMO, “DIE GEGEND, DIE VOM SERIO UMSPÜLT UND VOM BREMBO ÜBERSC

So bezeichnete der italienische Dichter Torquato Tasso die kleine lombardische Stadt, die von einer klaren Teilung in Bergamo Alta und Bergamo Bassa (Ober- und Unterstadt) gekennzeichnet ist.

Die Geschichte

Die ersten Siedlungen gehen auf die Zeit der Kelten zurück, die die strategische Lage auf der Handelsstrecke zwischen Brescia, Como und Mailand auszunutzen wussten. So entstanden die Voraussetzungen für eine immer dichtere Besiedlung dieser Gegend, die in der Verleihung des Titels “municipium civium romanorum” gipfelte. Zu dieser Zeit erlangte Bergamo eine bemerkenswerte Bedeutung, was sich auch in der Errichtung zahlreicher öffentlicher und religiöser Bauten wie dem Amphitheater, dem Forum, den Thermen, des Capitoliums und der Nekropolis niederschlug. Im Jahr 401 begannen die unzähligen Überfälle der Barbaren – der Hunnen, Vandalen und Alanen. Dann gewann Bergamo mit der Eroberung durch die Langobarden wieder an Stabilität, die es zum wichtigsten Herzogtum Norditaliens machten. Bevor es von den Österreichern erobert wurde, gelangte Bergamo 1428 unter die Herrschaft der Venezianischen Republik, die seine strategische Bedeutung insofern veränderte, als sie es von einem Transitort zu einem Grenzort werden ließ. Die Venezianer erbauten auch die “muraine”, eine Schutzmauer, und teilten die Stadt in zwei Teile: die Oberstadt war den Gutsbesitzern vorbehalten, während die Unterstadt als Peripherie für die „niedere“ Bevölkerung bestimmt war. Diese Mauern beeinflussten das wirtschaftliche Wachstum des Ortes und gaben der Stadt, die noch heute in „Bergamo alta“ und „Bergamo bassa“ geteilt ist, ihr jetziges Aussehen.

Die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten

Bergamo ist sowohl wegen seiner Lage und der aus majestätischen Bergen und ausgedehnten Ebenen bestehenden reizvollen Umgebung als auch wegen ihrer Teilung eine ganz besondere Stadt. Außerdem hält sie für den Besucher den faszinierenden Anblick der großartigen venezianischen Stadtmauer bereit, die sie noch heute umgibt und zu einem der schönsten, von Mauern eingeschlossenen Orte Italiens macht. Bemerkenswert sind auch die Baudenkmäler, die vor allem die Oberstadt zieren: die Piazza Vecchia, die mit ihrem herrlichen Springbrunnen aus dem 18. Jahrhundert ein monumentales Zentrum bildet; der Rathausturm und die Cappella Colleoni, die  Bartolomeo Colleoni errichten ließ – ein herrliches Bauwerk im Stil des 18. Jahrhunderts. In Bergamo bassa ist die Pinakothek der Accademia Carrara besonders interessant, die im 18. Jahrhundert gegründet wurde und mit rund 1700 Gemälden, zahlreichen Sammlungen und Meisterwerken berühmter Künstler wie Botticelli, Bellini, Raphael und vielen mehr als reichste Galerie Italiens gilt. Es können auch Sehenswürdigkeiten aus dem Mittelalter besichtigt werden, wie zum Beispiel Santa Maria Maggiore, der Palazzo della Ragione, die Loggia, der Domplatz und die Torri nobiliari. Während der Renaissance von Bergamo bauten viele bedeutende Architekten neue Bauwerke, zu denen auch der Neue Dom, die Schaffung der Fresken des Palazzo Podestarile und die Neue Sakristei der Kirche Santa Maria Maggiore gehören.

Die Umgebung

Die Provinz von Bergamo bietet viele voneinander unterschiedliche Facetten, die von der fruchtbaren, intensiv bebauten Landschaft zu den Tälern reichen, die durch grüne Hügel bis hinauf zu den Gletschern führen. Das prägnanteste Tal ist das Val Brembana mit Ortschaften wie Carona, einem Urlaubsort mit einer neuen Seilbahn, Foppolo, dem wichtigsten und am besten ausgestatteten Ort des gesamten Tals und schließlich San Simone. In dieser Gegend präsentiert sich die Natur in vielen Formen: vom Fluss Adda, der die Grenze zu Brescia zieht, über den Lago d’Iseo und den Fluss Oglio im Osten, dem Valtellina im Norden und der Po-Ebene im Süden. Das bergamaskische Ufer des Lago d’Iseo bietet eine wunderschöne, in seiner rauen Wildheit einzigartige Landschaft, die von abrupt abfallenden Hängen und steilen Ufern, Ruinen von zum Schutz der Gegend erbauten Schlössern, und kleinen Dörfern mit einsamen Häfen und Fischerhäusern charakterisiert ist. Gen Süden wird das Klima milder und die Vegetation nimmt den gemischten Charakter mittelalterlicher Landschaften mit Oliven und Oleandersträuchern sowie die typischen Züge präalpiner Seen mit immergrünen Wäldern an. Weiter südlich verändert sich die Landschaft erneut und wird zum klassischen Flachland mit Weiden und Viehställen sowie Dörfern mit niedrigen Häusern und großen Marktplätzen.