CHIANTI - NICHT NUR EIN WEIN

Mitten im Herzen toskanischer Hügel, begleitet von den ländlichen Düften und warmen Farben der Landschaft des Chianti, findet man “Le strade dei Castelli del Chianti” (Die Straßen der Schlösser des Chianti).

Damit der Besucher die charakteristischen Orte der Gemeinde entdecken und kennen lernen kann, hat die Gemeindeverwaltung von Gaiole in Chianti sechs Wege geschaffen, die mit verschiedenen Farben gekennzeichnet sind und mit deren Hilfe sich die historischen Ereignisse und jene Kämpfe zurückverfolgen lassen, die sich einst zwischen den beiden rivalisierenden Herzogtümern der Toskana entspannen: dem Herzogtum Florenz und dem Herzogtum Siena.
Von besonderem Interesse ist der blau gekennzeichnete Weg, der am Benediktiner-Nonnenkloster San Giusto beginnt. Es wurde um das Jahr 1000 herum gegründet, aber 1297 wurden die Nonnen nach Siena ins Kloster Santa Maria Novella umgesiedelt. Das Dorf und die Kirche gingen damit in den Besitz der Familie Ricasoli über, die sie in Anbetracht ihrer strategisch wichtigen Lage an den Grenzen der Provinz von Siena in eine Festung verwandelten. Nachdem diese 1390 von den Sienaer Truppen durch die Verwendung von Bonbarden eingenommen worden war, wurde sie vollständig zerstört - auf ihren Ruinen wurde die heutige Stadt errichtet.
Wenn man weitergeht, genießt man nach nicht sehr langer Zeit einen herrlichen Blick auf Lucignano in Chianti, mit dem Schloss, das in der Hand der Mönche von Coltibuono ist.
Nach einem weiteren Stück des Weges auf der schmalen, durch die typische Landschaft des Chianti führenden Straße kommt man zu dem malerischen Ort Torricella, der in einem alten Dokument erwähnt wird, das 1204 die Grenzen zwischen dem Florentiner und dem Sienaer Umland festlegte. Gegenwärtig erhebt sich hier in herrlicher Lage eine schöne Villa aus dem  17. Jahrhundert.
Nachdem man die Ortschaft San Regolo durchquert hat, gelangt man zu dem bedeutenden Schloss von Brolio, das 1179 unter Florentiner Herrschaft stand, doch die Versuche der Sienaer es zurückzuerobern, hatten im Laufe der Jahre nie aufgehört. Florenz maß ihm eine solche Bedeutung bei, dass es 1298 einen Stadtvogt hierher entsandte und dann in seiner Umgebung weitere Festungen errichtete. Es wurde von den Aragonern erobert und zerstört, aber nach 1484 durch die Hand von Giuliano da Sangallo wieder aufgebaut. Die Mauern, die er errichten ließ, sind eines der ersten Exemplare von Wehrmauern dieser Art, und stellen noch heute - übrigens in ausgezeichnetem Erhaltungszustand - den interessantesten Teil des Schlosses dar. Im vergangenen Jahrhundert war Brolio der Wohnsitz des Barons Bettino Ricasoli, eines Politikers und Staatmanns (“Eiserner Baron” genannt) zur Zeit der Vereinigung Italiens (1861-1870): er war ein sehr kulturvoller Mann und beispielhafter Agronom. Von ihm stammt übrigens die Zusammensetzung des Chianti-Weins, die zur Grundlage der offiziellen Zusammensetzung wurde: er legte damals die Anteile der verschiedenen, zu verwendenden Rebsorten fest.