DAS ANTIKE UND REICHE PISTOIA

In der Vergangenheit gab es in der toskanischen Stadt viele Bankiers, die der Stadt durch das Ausleihen von Geld zu Reichtum und Entfaltung verhalfen.

Die Geschichte

Pistoia hat römische Ursprünge und präsentiert sich von Mauern aus dem 14. Jahrhundert umgeben. Eine Blütezeit erlebte die toskanische Stadt zur Zeit der Langobarden (8. Jahrhundert), musste aber die Bildung der Kommune im 11. Jahrhundert abwarten, um dem Beginn glanzvoller Jahrhunderte entgegenzusehen.  Den Höhepunkt erreichte es im 13. Jahrhundert, als die Bankiers aus Pistoia der Stadt große Reichtümer brachten, die zur Erweiterung des Stadtzentrums beitrugen, indem sie den französischen Fürsten Geld liehen; in dieser Zeit wurde zum Beispiel an der Stelle, wo die heutigen Straßen Corso Gramsci und Corso Fedi verlaufen, der neue Mauerring errichtet. Während die Stadt im Norden im Kampf gegen Bologna die Apenninenpässe eroberte, begann man innerhalb der Mauern mit den großen Bauten der Stadt. Aber bald wurde Pistoia von Florenz auf der einen Seite und von Lucca auf der anderen Seite gestoppt und 1306 musste es sich den vereinten Kräften der beiden Städte ergeben. Von diesem Zeitpunkt verstärkte sich der politische und wirtschaftliche Niedergang zunehmend, viele Banken gingen bankrott und 1329 fiel es unter die Hegemonie von Florenz. 1401 verlor es jegliche Autonomie und wurde 1530 Teil des Mediceischen Herzogtums. Die folgenden Jahrhunderte waren vom Verfall und von Armut gekennzeichnet: erst nach der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann sich die Stadt wieder zu erholen und über die Mauern des 14. Jahrhunderts hinaus auszudehnen, während die jüngere Entwicklung der Stadt von industriellem, handwerklichem und landwirtschaftlichen Fortschritt gekennzeichnet war.

Die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten

Das künstlerische und historische Zentrum von Pistoia ist der Domplatz, der von mittelalterlichen Bauwerken gebildet wird, die ein reizvolles architektonisches Ensemble aus dem Torre di Catilina und dem im 12. und 13. Jahrhundert errichteten Dom darstellen. In dem dreischiffigen Interieur befindet sich das Grabdenkmal von Cino da Pistoia und das Altarbild des Heiligen Jakob, ein Monumentalwerk Sieneser, Pistoieser und Florentiner Goldschmiede, auf dem Szenen des Neuen und des Alten Testaments und aus dem Leben des Heiligen dargestellt sind. In der Kirche werden auch andere Werke verwahrt, von denen das Taufbecken von Andrea Ferrucci da Fiesole, das nach einem Entwurf von Benedetto da Maiano hergestellt wurde, hervorsticht. Auf dem Platz kann man außerdem besichtigen: das Baptisterium, ein gotisches Bauwerk mit achteckiger Form, den Palazzo de Vescovi, in dem das Museo di San Zeno untergebracht ist, den Palazzo del Podestà, der gegenwärtig als Gericht genutzt wird. Mit dem Bau des Palazzo del Comune hatte man 1294 begonnen – hier befindet sich jetzt das Stadtmuseum, in dem Gemälde und Heiligenbilder aus dem 12. und 14. Jahrhundert sowie die Sammlung „Puccini“ mit alten Gemälden, Werken des Florentiner 17. Jahrhunderts, Porträts, Möbel und Gegenstände des 19. Jahrhunderts ausgestellt sind. Einen Besuch verdienen auch die Basilica della Madonna dell’Umiltà, wichtiges Zeugnis der Architektur der Renaissance, die Kirchen San Francesco sowie Sant’Andrea, in der sich die berühmte Kanzel von Giovanni Pisano, eines der großen italienischen Meisterwerke des 12. und 13. Jahrhunderts, befindet. Schließlich sollte man sich gewiss auch den Palazzo Rospigliosi, in dem das Museo Rospigliosi mit Möbeln, kostbaren Einrichtungsgegenständen und einer Reihe von Gemälden aus dem 17. Jahrhundert eingerichtet ist, anschauen.

Die Umgebung

Montecatini Terme, das im Val di Fievole liegt, ist dank ihres chlorid-, phosphat- und natriumhaltigen Wassers, das für die Heilung von Krankheiten des Verdauungsapparats empfohlen wird, eine berühmte und stark frequentierte Thermalstation. Montecatini ist ein ideales Urlaubsziel für Menschen, die etwas für ihren Körper tun möchten und einen Urlaub im Zeichen vollkommener Entspannung verbringen möchten. Monsummano Terme, unweit von Montecatini, geht auf die Anfänge des 17. Jahrhunderts zurück, als sich um den Wallfahrtsort Santuario di Santa Maria di Fontenuova das erste Stadtgebiet bildete; es hat nicht nur einen intensiven Thermaltourismus entwickelt, sondern ist auch reich an Lebensmittel-, Schuh- und Papierbetrieben. Das am gleichnamigen Fluss gelegene Pescia hingegen ist besonders bekannt für die Erzeugung von Spargel, Öl und Blumen. Außerdem sind hier viele weitere Industriezweige vertreten: die Metallindustrie, Papierherstellung, Gerbereien, Textil- und Nahrungsmittelbetriebe sowie ein aktiver Handel, insbesondere mit Blumen. Marcello Pistoiese ist sommers ein beliebter Luftkurort, aber auch der wichtigste Ort des Pistoieser Gebirges. Schließlich Cutigliano, der Ort des Apennins von Pistoia, der sich seinen antiken Charakter am stärksten bewahrt hat. Einer Legende zu Folge wurde es von den Überlebenden der Schlacht von 62 v.Chr. errichtet, bei der Catilina besiegt wurde. Heute ist es ein wichtiger Luftkurort und ein renommierter Wintersportort.