DAS HEILIGE HAUS (CASA SANTA)

Heiliger Ort der christlichen Tradition, noch kostbarer durch die prachtvollen Renaissance-Bauten, und Reiseziel vieler Pilger und Kunstliebhaber: Loreto, in die Stille der Landschaft der Marken eingebettet, wenige Kilometer vom Meer entfernt.

Dieser Ort ist seit nunmehr sieben Jahrhunderten das Ziel nicht abreißender Pilgerströme. Die Legende will, dass in der Nacht des 10. Dezember 1294 das Heilige Haus aus Nazareth, in dem Mariä Verkündigung durch den Erzengel Gabriel erfolgte, von Palästina an die Küste der Marken gelangte, von fliegenden Engeln getragen. Jüngere Vermutungen tendieren eher zu einem Transport der heiligen Mauern durch die Hand des Menschen. Innerhalb des Heiligen Hauses wurde eine Ikone der auf Holz gemalten Heiligen Jungfrau angebetet, aus deren dunkler Farbe die Tradition der Verehrung der Madonna Nera (Dunkle Madonna) entstand. Hinter dem Altar steht unter dem Madonnenbild auf lateinisch geschrieben “hic verbum caro factum est” (Hier ist das Wort Fleisch geworden).
Die enormen Bekundungen von Anbetung und der kontinuierliche Fluss der Pilger veranlasste die Römer des Pontifex zur Errichtung imposanter Bauten zur Untermauerung der Bedeutung des Ortes und zur Darstellung der Großartigkeit ihrer Herrschaft. Dazu wurden die besten Architekten jener Zeit berufen, daher ist es schwierig, einem von ihnen das allgemeine Projekt zuzuschreiben.
Im Mai 1500 stellte Giuliano da Sangallo die Kuppel fertig, die in chronologischer Reihenfolge nach der Kuppel Brunelleschi in Florenz die zweite der Welt war und mit der das Heilige Haus in die Wallfahrtskirche integriert wurde. Papst Julius II. beauftragte Donato Bramante im Jahr 1509 mit der Aufwertung der Reliquie. Der berühmte Architekt der Renaissance konzipierte die außergewöhnliche Marmorverkleidung der heiligen Mauern: es handelt sich um den größten und vollständigsten Skulpturenzyklus der Renaissance, an dem auch Raphael (1483-1520) und Andrea Sansovino (1467-1529) mitwirkten. Die Außenfassade der Basilika wurde 1587 fertig gestellt, während der herrliche apostolische Palast, der sich am Hauptplatz der Stadt erhebt, von Bramante projektiert und in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts errichtet wurde.
Das reiche künstlerische Erbe von Loreto ist jedoch längst nicht erschöpft. Von großer Bedeutung ist die Vielzahl und erstaunliche Qualität der Bronzeskulpturen, die aus dieser Stadt eine der Hohen Schulen der italienischen Spätrenaissance machten. Ihren Anfang nahm diese Tradition in der blühenden Werkstatt von Aurelio und Girolamo Lombardi, denen auch die Verzierung der Basilika mit Statuen aus der Zeit ab 1540 zuzuordnen ist. Das Meisterstück der Gießerei sind die drei Türen der Wallfahrtskirche, die anlässlich des Jubiläums von 1600 geschaffen wurden.
1517 wurde zum Schutz der Stadt und ihrer Schätze eine mächtige Mauer gebaut, um die Sarazener, die an der Adriaküste an Land kamen, abzuschrecken. Meisterwerke der militärischen Baukunst des 16. Jahrhunderts sind die Bastionen der Porta Romana und der Porta Marina. Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts begann man mit dem Bau von Wohnhäusern außerhalb der Mauern.