Das Sizilien der Handwerke

Von den Marionettentheatern zu den Salinen, über die antiken Handwerke rund um den Ackerbau, bis zur Entdeckung der faszinierendsten Seite dieses Fleckchens Erde am Mittelmeer.

Die Marionetten („Pupi“) sind seit jeher das Wahrzeichen der Insel und blicken auf eine Jahrhunderte währende Tradition zurück, die heute im Museo Internazionale delle Marionette von Palermo noch einmal durchlebt werden kann.
Dieses wurde von Antonio Pasqualino, einem wahren Archäologen der fantastischen Welt der Marionetten, ins Leben gerufen, dem es gelungen ist, die volkstümliche Tradition mit den mündlichen Erzählungen der Bänkelsänger, Tanz und Degen und allegorische Darstellungen von Kämpfen zwischen Gut und Böse, die den Fruchtbarkeitsriten der bäuerlichen Kultur angehörten, zu vereinen.
Über 3.500 „Pupi“-Exemplare sind dort ausgestellt: Fadenpuppen, Stockpuppen oder Handpuppen, Theaterfiguren, orientalische Schattenpuppen und Kulissen aus der ganzen Welt.
Das Museum, das sich im alten arabischen Stadtviertel Kalsa (heute Gerichtsbezirk) befindet, erstreckt sich über 800 m², die auf zwei Stockwerke verteilt sind, und umfasst auch eine große Bibliothek mit über 3.000 Büchern zu diesem Thema sowie eine gut bestückte Videothek.
Im ehemaligen Kloster der Frati Mercenari in Modica (Ragusa) aus dem 18. Jahrhundert befindet sich das Museo Ibleo delle Arti e Tradizioni Popolari (Museum Ibleo der volkstümlichen Künste und Traditionen), das Künste und Handwerke der Vergangenheit wieder aufleben lässt. Dort finden sich originalgetreue Nachbildungen der Gegenstände der Handwerkstätten, die in ihrem wahren Umfeld dargestellt werden, um ihre Verwendung zu zeigen. Die echte Attraktion ist jedoch eine Nachbildung eines typischen Bauernhofes der Provinz Modica, dem stetigen Wohnsitz der Bauernfamilien und wirtschaftliches wie soziales Zentrum des Lebens auf dem Lande. Die Folklore der antiken Stadt Hybla lebt auch im nahe gelegenen Städtchen Palazzolo Acreide (Syrakus) in der Casa Museo wieder auf. Typische Gegenstände sind dank dem sizilianischen Ethnologen Antonino Uccello ein Stück Tradition von unschätzbarem Wert geworden. In der „Casa Museo“ sind originalgetreue lokale herrschaftliche Räume zu sehen: im Erdgeschoss die Olivenpresse, der Stall, der Getreidespeicher und der Lagerraum und im Hochparterre das Wohnhaus.
Ein weiteres Symbol der sizilianischen Tradition sind jene Berge mit ihrem blendenden Weiß, die in der Sonne glänzen: die Salinen. Dieses natürliche Schauspiel kann von der Straße von Trapani nach Marsala aus bewundert werden. Eine touristische Attraktion, die jedoch auch eine der kostbarsten und ältesten wirtschaftlichen Ressourcen der Erde darstellt. Das Klima selbst begünstigt die Entstehung dieser suggestiven und irrealen Kulisse in Form eines Schachbretts mit Farbtönen, die von Grün bis Rosa reichen, und mit hier und da in den Himmel ragenden Windmühlen. Unbedingt zu besichtigen ist das Museo del Sale von Nubia (Trapani), ein 300 Jahre altes Haus eines Salzträgers, in dem die Instrumente für den Abbau, das Ernten und die Weiterverarbeitung des Salzes entsprechend einer Handwerkskunst erhalten sind, die über Generationen weitervererbt wurde. Unter den spektakulärsten Salinen sind die „Saline di Ettore e Infersa“ zu verzeichnen, die ihren Namen zwei Männern verdanken, welche eine über 500 Jahre alte Mühle restauriert und wieder in Betrieb genommen haben.
Schließlich sollte man auch den acht Räumen des Paese Museo von Buscemi (Syrakus) einen Besuch abstatten, die die Arbeitsbereiche und die Bereiche des bäuerlichen Lebens, die traditionellen Werkstätten und die „casa ro massaru“ (das Haus des Hofherren) beherbergen - eine typische Bleibe des kleinen lokalen Landbesitzers.

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