Eine antike und majestätische rote Mauer umgibt die toskanische Stadt und spendet ihr Schutz. Die bekanntesten Ortschaften ihrer Provinz liegen fast alle an der tyrrhenischen Küste und sind berühmt für ihre künstlerische Schönheit und den Abwechslungsreichtum, den sie zu bieten haben.


Die Geschichte
Lucca ist heute eine dynamische Handels- und Manufakturstadt, aber hinter ihren roten Mauern hütet sie eifersüchtig ihre illustre Vergangenheit. Die heutige Schutzmauer ist die dritte und letztgebaute, musste jedoch nie zu ihrer Verteidigung herhalten. Nachdem sie ein friedliches Gleichgewicht mit ihrer Nachbarin, der mächtigen Stadt Florenz gefunden hatte, konnte Lucca in aller Ruhe den Einzug internen Friedens und die wirtschaftliche Erneuerung abwarten. Die mittelalterliche Stadt ist von hohen Türmen, verschlungenen Gassen und überraschenden kleinen Plätzen, die den Blick auf große romanische Bauwerke freigeben, charakterisiert. Ende des 12. Jahrhunderts erlebte die Stadt, die erst langobardisches Herzogtum und dann toskanisches Marchesat war, dank der bedeutenden Entwicklung der Seidenkunst und einer bemerkenswerten Bankentätigkeit ihre erste Expansion. Das 14. Jahrhundert war von ersten Geschäftskrisen gezeichnet und führte zu einem Wiederaufflammen der Kämpfe zwischen den Bürgern und zur Entstehung der Signorien, bis die Bürger im Jahr 1369 definitiv ihre Freiheit zurückerobert hatten. Die demokratische Republik erlebte im Jahr 1799 eine kurze Wiedergeburt, bevor Napoleon 1805 die Stadt seiner Schwester Elisa als Fürstentum übereignete. 1847 wurde Lucca an das Großherzogtum Toskana abgetreten, mit dem es schließlich in den Italienischen Staat eintrat.
Die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten
Die antiken Mauern, die die Stadt umgeben und die wie durch ein Wunder intakt geblieben sind, gehören zu den wichtigsten Verteidigungsbauten der ganzen Toskana. Sie bestehen aus 12 Kurtinen und 11 Schutzwällen mit einer Höhe von 12 Metern, die herrliche Ansichten der Stadt freigeben. Während die Piazza Napoleone von einem schönen Denkmal von Maria Luise von Bourbon-Parma geschmückt ist, bilden Piazza San Martino und die anliegende Piazza Antelminelli ein reizvolles mittelalterliches Szenarium, in dem der Palazzo Bernardi, der Dom und die daneben liegende Casa dellOpera del Duomo hervorstechen. Der Dom ist dem Heiligen Martin gewidmet und stellt den wichtigsten Sakralbau der Stadt dar. Seine Grundformen sind romanisch, aber sein Inneres, in dem zahlreiche Kunstwerke darunter allen voran das Heilige Abendmahl von Tintoretto aufbewahrt werden, wurde erneuert. Die Via Guinigi gehört mit ihrem vollkommenen mittelalterlichen Flair zu den charakteristischsten und reizvollsten Straßen der Stadt, die Piazza San Michele wiederum ist der lebhafte Lebensmittelpunkt des Städtchens. Hier befinden sich der Palazzo del Podestà, das Geburtshaus von Giacomo Puccini mit Schriftstücken und Gegenständen, die dem großen Komponisten gehört haben, und die Kirche San Michele in Foro. Im Palazzo Mansi kann man den Musiksalon und das prächtige Hochzeitszimmer bewundern. In diesem Gebäude ist außerdem auch die Nationale Pinakothek untergebracht, die italienische und ausländische Gemälde aus der Zeit der Renaissance bis zum 18. Jahrhundert umfasst.
Die Umgebung
In der Provinz von Lucca gibt es zahlreiche typisch toskanische Ortschaften, die vorwiegend an der tyrrhenischen Küste liegen. Viareggio, dessen Ursprünge auf das 15. Jahrhundert zurückgehen, als es auf dem Fundament einer vorher existierenden Festung entstand, ist die Stadt der Seeleute und damit vor allem in der Fischfangtradition verwurzelt. Sie öffnete sich mit dem Bau der ersten beiden Strandbäder erst im späten 19. Jahrhundert dem Badetourismus, heute ist sie neben dem Fischfang und Tourismus auch für ihren Karneval bekannt, der in den kalten Wintertagen stattfindet und mit dem gewohnten Umzug endet - ein fester Bestandteil des einheimischen Brauchtums. Das an der Küste der Versilia liegende Forte dei Marmi hat seinen Namen von der Festung erhalten, die Großherzog Leopold I., der die gesamte, unter Malaria leidende Sumpfgegend trockenlegte, im Jahr 1788 hier errichten ließ. Als renommierter Badeort wurde es im 19. Jahrhundert von europäischen Intellektuellen und Künstlern entdeckt und war lange Zeit ein lebhafter Treffpunkt von Literaten. Gegenwärtig findet hier das Festival internazionale della Satira (Internationales Satire-Festival) statt. Marina di Pietrasanta hingegen schuldet seinen Ruf der großen Schule für Marmorhauer, die von berühmten internationalen Künstlern für die Realisierung ihrer Projekte ausgewählt werden. Unsere Reise durch die Provinz von Lucca soll an dieser Stelle am Lido di Camaiore, einem aktiven Bade- und Urlaubsort enden.
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