PAVIA, DIE HAUPTSTADT DES ITALISCHEN REICHS

Die Stadt wurde in der Vergangenheit wegen der alten Türme als “centium turrium” bezeichnet, die ihr gemeinsam mit den charakteristischen Gassen und kleinen Plätzen das gesetzte und gleichzeitig reiche Aussehen einer vornehmen und kultivierten Stadt verleihen.

Die Geschichte

Geschichtlich unterteilt sich die Stadt in die 48 “insulae” der römischen Epoche, die noch heute die Gliederung der Stadt zwischen Corso Alberto und Corso Garibaldi bestimmen. Ihren damaligen Namen - “Ticinum” - behielt sie so lange, bis sie zur Hauptstadt des Regnum Italicum wurde. Die Stadt erfuhr während der Epoche der Stadtstaaten dank eines sehr lebhaften Handels eine rasante Entwicklung und wurde zu einer der größten Städte Norditaliens. Auf diese Zeit geht auch der Bau der Stadtmauern zurück, die das heutige historische Zentrum umschlossen. Nachdem die Herrscher Mailands die Stadt 1359 eingenommen hatten, begann eine Zeit der tiefgehenden Erneuerung, eingeleitet durch die Visconti, die die Stadt zu ihrem Wohnsitz auserkoren, nachgefolgt von den Sforza. Später, im Jahr 1525, wurde die Stadt zum Schauplatz der „Schlacht von Pavia“, als der französische König von den kaiserlichen Truppen gefangen genommen wurde. Mit dem Fall des Mailänder Herzogtums teilte die Stadt das Schicksal der ganzen Lombardei. Erst den Spaniern, dann denn Savoyern unterworfen, entwickelte sie sich nach dem Willen der österreichischen Herrscher zur Universitätsstadt. Mit der Vereinigung Italiens setzte sich die Expandierung außerhalb der Mauern aus dem 16. Jahrhundert fort, verstärkt durch den Bau der Eisenbahnlinie nach Mailand und die Eröffnung der ersten italienischen Kunstseidefabrik.

Die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten

Zu den wichtigsten Sakralbauten, die man sich anschauen sollte, gehören die Kirchen Santa Maria in Betlem, San Teodoro und San Pietro in Cielo d’Oro, die 1132 geweiht wurde und als eines der vortrefflichsten Beispiele für den romanischen Baustil und als Wahrzeichen der Stadt gilt. Die Fassade weist dieselbe Form wie die der Kirche San Michele auf. In ihrem Inneren erhebt sich über dem Hauptaltar der marmorne Sarkophag des Heiligen Augustinus, der mit von lombardischen Bildhauern in Anlehnung an die toskanische Kunst geschaffenen Statuen und Reliefs reich verziert  ist. In dieser Kirche wurden einige Kaiser und Könige gekrönt, darunter auch Barbarossa. An der Piazza Leonardo da Vinci erhebt sich der Dom, mit dessen Bau man 1488 begann und der gegen Ende des 16. Jahrhunderts fertig gestellt wurde. Das Viscontische Schloss wurde 1360 unter Galeazzo II errichtet, aber während der Schlacht von Pavia 1525 stark beschädigt. Es beherbergt die Abteilung für römische und spätmittelalterliche Archäologie. Die Strada Nuova ist die Hauptader der Stadt – sie führt vom Schloss bis zum Fluss Tessin, an ihren Seiten befinden sich das Teatro Fraschini, die Piazza Leonardo da Vinci und die Universität. In der Stadt kann man auch die überdachte Brücke (Ponte Coperto), den Palazzo Botticella und das Collegio Borromeo besichtigen.

Die Umgebung

Die Umgebung von Pavia erstreckt sich über eines der fruchtbarsten Gebiete der Po-Ebene und ist von ganz regelmäßig angelegten Feldern, den großen Wasserflächen der Reisfelder der Lomellina und kleinen, an Kanälen entlang führenden Straßen gekennzeichnet. Die Landschaft vermittelt dem Besucher, der die verborgenen Ecken dieser italienischen Provinz kennen lernen möchte, Ruhe und Gelassenheit. Interessant zu besichtigen ist das einzigartige Gebiet der Reisfelder mit seinem speziellen Klima und den Wassermühlen. Aber es gibt auch Hügelgegenden, die berühmt für ihre Weine wie den ausgezeichneten Barbera sind und in denen diverse Erdrutsche mehrfach die Landschaft verändert haben. Von den wichtigsten Orten dieser Gegend seien hier Strabella, Salice Terme, dessen Name sich von dem hier entspringenden salz-, brom-, jod- und schwefelhaltigen Wasser ableitet, Vigevano, der wichtigste Ort der Lomellina und Zentrum einer blühenden Landwirtschaft sowie Sitz zahlreicher Schuhfabriken, und Mortasa, Schauplatz blutiger Schlachten, genannt.

 

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