PISA, EINE KUNSTREISE

Die toskanische Stadt ist dank ihrer Baudenkmäler, insbesondere des Komplexes Campo dei Miracoli, ein echte Weltkunststadt.

Die Geschichte

Pisa schuldet seine Entstehung den Römern, die seine im Hinblick auf die Expansion gen Norden strategisch günstige Position erkannten. Damals lag Pisa am Meer, d.h. mit dem jetzigen nördlichen Teil der Stadt. Im 10. Jahrhundert wurde die Stadt, die bereits zu dieser Zeit eine beträchtliche Schiffsmacht darstellte und mit ihren Schiffen an den wichtigsten Operationen auf dem Mittelmeer beteiligt war, von der ersten Stadtmauer geschützt. Das 12. Jahrhundert war die Epoche der großen  Seerepublik Pisa: sie unterstützte den ersten Kreuzzug ins Heilige Land, gründete Kolonien im östlichen Mittelmeer, führte einen Kreuzzug gegen die Sarazenen auf den Balearen, griff Amalfi an und vernichtete es und erwirkte vom Kaiser Friedrich Barbarossa den Besitz Sardiniens und der ganzen tyrrhenischen Küste von Portovenere bis Civitavecchia. Das waren die Jahre der größten Blüte Pisas: man begann, neben dem Dom das Baptisterium und den berühmten Schiefen Turm zu errichten. Die so große Macht des ghibellinischen Pisa war natürlich den alten und neuen Rivalen wie Lucca, Genua und Florenz ein Dorn im Auge. Mit dem Ende der Herrschaftszeit der Schwaben begann das Glück Pisas ins Schwanken zu geraten und im 14. Jahrhundert verstärkte sich sein Verfall hinsichtlich von Seemacht, Politik und Wirtschaft und trieb das Reich in den Ruin. Unter der nachfolgenden Herrschaft von Florenz schaffte es die Stadt nicht sich wieder zu erholen und verkleinerte sich. Erst mit dem späteren Bau der Fortezza Nuova und des Ponte di Mezzo, der Logge di Banchi und vieler Paläste an den Straßen entlang des Flusses Arno nahm die Stadt immer mehr das herzogliche mediceische Aussehen an, das sie noch heute auszeichnet.

Die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten

Pisa ist eine echte Kunststadt. Es gibt unzählige Bauwerke zu bewundern, darunter den Ponte di Mezzo, der als älteste Brücke der Stadt einst Ponte Vecchio genannt wurde und nach dem zweiten Weltkrieg rekonstruiert werden musste. Die Piazza dei Cavalieri ist das alte Zentrum der republikanischen Stadt  und beherbergt zahlreiche von Giorgio Vasari projektierte Bauwerke wie den Palazzo dei Cavalieri, gegenwärtiger Sitz der 1810 von Napoleon gegründeten Scuola Normale Superiore (Elitehochschule des italienischen Staats). Der Botanische Garten wurde um 1595 von Ferdinand I. eingerichtet und enthält einige hinsichtlich von Schönheit und Alter bemerkenswerte Exemplare. Auf der Piazza del Duomo, auch “Campo dei Miracoli” (Platz der Wunder) genannt, stehen die wertvollsten Vertreter der Pisaner Romanik: dieser Platz gehört zu den berühmtesten und meistbesuchten Bauwerkskomplexen der italienischen Kunst. Hier erheben sich der Dom, das Baptisterium, der Glockenturm und der Camposanto, die trotz ihres unterschiedlichen Baudatums in ihrer farblichen und stilistischen Einheitlichkeit eine bewundernswerte architektonische Einheit ergeben. Der Glockenturm, der auch als „Turm von Pisa“ oder „Schiefer Turm“ berühmt ist, stellt das Symbol der Stadt dar und ist dank seiner baulichen Eleganz und statischen Besonderheit einer der berühmtesten Türme der Welt. Seit Kurzem kann er auch wieder besichtigt werden, nachdem er auf Grund langwieriger Arbeiten für einige Jahre geschlossen bleiben musste. Seine Wendeltreppe führt über 294 Treppen bis auf die Turmspitze, von der aus Galilei Versuche zur Schwerkraft durchführte.  Der Dom ist ein imposantes weißes Bauwerk, dessen Bau im Jahr 1064 seinen Anfang nahm. In seinem Inneren kann man eine Marmorkanzel von Giovanni Pisano, ein Meisterwerk italienischer gotischer Bildhauerkunst, und die Lampe des Galilei bewundern. Das Baptisterium ist ein majestätisches romanisches Marmorgebäude mit kreisförmigem Grundriss, mit dessen Bau man 1152 begann. Der Camposanto stammt dagegen aus dem Jahr 1277 und wurde 1944 durch einen Brand verwüstet; er bietet eine Sammlung zumeist romanischer Sarkophage, die Cappella Ammannati und die weltberühmten Fresken.

Die Umgebung

In der Umgebung von Pisa gibt es auch zahlreiche sehenswerte Dörfer und Touristenorte wie z.B. Tirrenia, einen kleinen Ort südlich der Mündung des Arno, der dank seiner geographischen Lage einen gemäßigten Badetourismus entwickelt hat. Casciana Terme ist wegen seines mineralischen Thermalwassers sehr renommiert, dessen Eigenschaften bereits zur Zeit der Römer bekannt waren: obwohl es ein antikes Städtchen ist, bietet es doch moderne Thermaleinrichtungen. Auf jeden Fall ist das Territorium des toskanischen Hauptorts von der Vielzahl und Unterschiedlichkeit der Baudenkmäler und künstlerischen Werke gekennzeichnet, die es für Touristen, die die Großartigkeit und die Pracht vergangener Epochen kennen lernen möchten, zu einem einzigartigen Ziel machen. 

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