DER MANN AUS DEM EIS

Für alle, die eine Reise in die Vergangenheit machen wollen, als der Mensch noch in engem Kontakt mit der Natur lebte, bietet das Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen seinen Besuchern eine weltweit einzigartige Sammlung.

Vor über 5.000 Jahren stieg ein Mann in die eisigen Höhen der Schnalstaler Gletscher und kam dort um. Im Jahr 1991 wird er zufällig gefunden: mitsamt seiner Kleidung und Ausrüstung, mumifiziert, gefroren - eine archäologische Sensation und eine einzigartige Momentaufnahme eines kupferzeitlichen Menschen.
Nach mehrjährigen Untersuchungen durch hochspezialisierte Forschungsteams aus allen Teilen der Welt sind die berühmte Mumie aus dem Eis (auch Ötzi oder des Similaun genannt) und ihre Beifunde eine der Hauptattraktionen für die Touristen geworden, die die italienisch-österreichische Stadt besuchen.
Dank dem seltsamen Schicksal dieses Vorfahrens, der aus der Anonymität der Geschichte hervorgeholt wurde, haben wir die Gelegenheit, einem Augenzeugen unserer Vergangenheit zu begegnen. Die Schausammlung des Museums ist chronologisch aufgebaut und dokumentiert die gesamte Geschichte Südtirols von der Alt- und Mittelsteinzeit bis zur Karolingerzeit. Eine reichhaltige Rundschau an Informationen mit zahlreichen Fundstücken, aber auch Modellen, Rekonstruktionen, Raumbildern, Videos und interaktiven Multimediastationen gibt einen Einblick in die frühe Vergangenheit des südlichen Alpenraumes.
Entsprechend der zahlreichen Untersuchungen, die an der Mumie durchgeführt wurden, zeigt Ötzi in seiner Ausrüstung und in seiner Bekleidung typische Züge der Alpen. Auch das medizinische und das anthropologische Profil enthüllen Merkmale seines Lebensstils, seiner Ernährung und seiner Gewohnheiten, die auf den Alltag der Bergbewohner der Halbinsel hinweisen. Große Bedeutung muss den Tätowierungen beigemessen werden, die auf der Haut des Mannes aus dem Eis gefunden wurden und zum Gegenstand von Nachforschungen sowie einer Sonderausstellung geworden sind, die noch bis 18. Mai auf der letzten Etage des Südtiroler Archäologiemuseums zu sehen ist.
Die Ausstellung befasst sich mit dem Thema Tätowierungen und mit der Kultur, die dahinter steht. Auch die Hautzeichen sind Zeugen einer Kultur, die in der Antike begann und noch heute weiterlebt. Tätowierungen, Narbenschmuck, Bemalungen und Veränderungen des Körpers sind nicht nur vorübergehende Moden, sondern in unserer Gesellschaft Ausdruck eines bestimmten Lebensgefühls, grundlegende Elemente, die die einzelnen Lebensphasen der Menschen begleiten. Die Haut kann Kommunikationsmittel sein, eine Identität charakterisieren und eine Person als zu einer bestimmten sozialen Gruppe, Religion oder Familie zugehörig identifizieren.
Zahlreiche Beispiele dieser Art von Hautkultur haben sich im Laufe der Zeit abgelöst – von der Urgeschichte und der Antike bis in unsere heutige Zeit. Haut-Traditionen, die im Museumsgebäude einander gegenüber gestellt und mit den an der Mumie durchgeführten Untersuchungen verglichen werden (auf der über 50 Tätowierungen entdeckt wurden), um deren Funktion und Symbolgehalt in den verschiedenen Umfeldern zu erforschen. Ergänzend zur Ausstellung stehen Vorträge zum Thema Tätowierung bei archäologischen Funden und zum ethnischen Vergleich verschiedener Völker, Workshops und Vorführungen traditioneller Tätowierungs- und Körperbemalungstechniken auf dem Programm.

Südtiroler Archäologiemuseum
Museumstraße 43, 39100 Bozen

Informationen: Tel. +39 0471-320100 Fax +39 0471-320122 – URL: www.iceman.it, E-Mail: museo@iceman.it
Öffnungszeiten: geöffnet von Dienstag bis Sonntag, von 10 bis 18 Uhr (letzter Einlass um 17.30 Uhr). Montags geschlossen.