DER SANTUARIO DELLA MADONNA DELLA CORONA

Vor dem abwechslungsreichen Hintergrund Venetiens, dort, wo sich die Berge zu einer Krone zusammenzuschließen scheinen, kann der Reisende hautnah den tief empfundenen Schmerz der Heiligen Jungfrau wahrnehmen.

Geradezu zusammengeduckt zwischen den Felsen, eingezwängt in die Felswand des Osthangs des Monte Baldo, erhebt sich in 700 Metern oberhalb der Etsch der Santuario della Madonna della Corona. Der Name “della Corona” (der Krone), mit dem eine der berühmtesten und meistfrequentierten Wallfahrtsstätten Italiens bezeichnet ist, leitet sich von der Bergkette ab, die gleichsam eine Krone zu bilden scheint.  
In den Begebenheiten, die sich um den Ursprung dieses Heiligtums ranken, sind Historie und Legende eng miteinander verknüpft. An diesem Ort stand im 13. Jahrhundert eine Einsiedelei, die der Madonna gewidmet war und “Madre di Dio” hieß. 1437 ging sie in die Hand des Malteser Ritterordens über und von 1480 bis 1522 wurde an Stelle der Einsiedelei eine kleine christliche Kirche errichtet. Der Legende nach verschwand bei der Ankunft der Türken 1522 in Rhodos eine Pietà-Steinstatue und tauchte wunderbarerweise eines Nachts in Spiazzi wieder auf (heute ist das ein kleiner Gebirgsort in 1314 Metern Höhe, der 10 Kilometer von der Ortschaft Ferrara di Monte Baldo entfernt ist). Die Bergbewohner, die voller Staunen das starke Licht und die himmlische Musik, welche die Erscheinung begleiteten, vernahmen, begaben sich an diesen Ort und beförderten die Statue mit Hilfe von Seilen auf den Gipfel eines Felsens, in eine Holzkapelle. In der darauf folgenden Nacht jedoch kehrte die Statue an den Ort zurück, an dem sie am Tag zuvor erschienen war. Um den offensichtlichen Willen der Madonna zu respektieren, begannen die Bergbewohner an der Felswand eine Kapelle zu bauen. 
Der Santuario wurde vollständig in den Felsen gemeißelt: die linksseitigen Innenwände der Kirche und die Apsis werden beispielsweise direkt aus dem Felsen gebildet. Die ca. 70 Zentimeter große Marmorstatue der Madonna, die von den Pilgern angebetet wird, stellt die Schmerzensmutter dar, die den toten Christus betrachtet.   
Der Santuario della Madonna della Corona ist auch das Ziel passionierter Wanderfreunde. Von der unterhalb liegenden Ortschaft Brentino im Etschtal führt ein Weg mit dem Namen “del pellegrino” (des Pilgers) über den Bergrücken des Cimo zur Einsiedelei. Dabei gilt es 1540 Stufen zu steigen. Der Santuario ist ein ideales Ziel für die Urlauber, die bei ihrem Aufenthalt Spiritualität, Natur und Sport miteinander verbinden wollen.