DIE SAGRANTINO-STRASSE

Eine Reise auf der Suche nach kulinarischen und kulturellen Genüssen, umhüllt von mittelalterlichem Reiz und dem tief verwurzelten geistigen Charakter Umbriens. Allein die Gaumenfreuden sind eine Reise wert.

Tief versunken im Cuore verde d’Italia –dem grünen Herzen Italiens– verläuft die Sagrantino-Straße durch Weinberge und Olivenhaine, mit Türmen durchsetzt, mittelalterlichen Flecken, Burgen und vor allem fünf kleinen Juwelen der Kunst, die Ortschaften Bevagna, Gualdo Cattaneo, Giano dell’Umbria, Castel Ritaldi und Montefalco. Gerade in dieser Gegend, an den Abhängen der sanften Hügel, ist eine der edelsten Rebsorten Italiens heimisch geworden: Sagrantino. Eine unbestrittene Königin, obwohl ihre Ursprünge ungewiss sind: einige behaupten, sie sei mehr durch Zufall dank einiger aus Kleinasien kommenden Franziskanermönche in dieses Land gelangt, andere wiederum sind davon überzeugt, dass sie spanischen Ursprungs sei, oder dass sie sogar von den Sarazenen nach Italien gebracht wurde. Aus den Sagrantino-Trauben gewinnt man den gleichnamigen DOCG-Wein (Qualitätsbezeichnung für Waren aus bestimmten Herkunftsgebieten) von rubinroter Farbe mit violetten Lichtreflexen und dem typischen Brombeer-Duft, am Gaumen warm und würzig. Dieser Wein ist einer der bekanntesten und beliebtesten in der Welt. Zeugnis für die geschichtsträchtige Rebsorte ist ein über dreihundert Jahre alter Rebstock im Kloster Santa Chiara in Montefalco.
Entlang dieser Straße findet man aber auch weitere Weine, die den Gaumen zu verwöhnen verstehen: der Montefalco Rosso DOC, den man unbedingt zu Fleisch oder Wild probieren sollte, der Colli Martani Grechetto DOC, ein Weißwein, der herrlich zu leichten Gerichten und Vorspeisen passt.
Der Wein ist aber nicht der einzige Hauptdarsteller auf dieser Straße. Die Vergangenheit und die Traditionen sind untrennbare Verbündete auf der Reise durch dieses geschichtsträchtige Gebiet: so kann man die Montefalco-Burg oder das antike Leben von Bevagna, den Colle-Turm, die Borgia-Festung von Gualdo Cattaneo oder die Ritaldi- Burg bewundern. In diesem von altem Geiste durchdrungenem Fleckchen Erde gibt es viele sehenswerte Kulturstätten in romanischem Stil, angefangen von der antiken San-Bartolomeo-Kirche (in Montefalco) zur einfachen Santa-Maria-in-Laurenzia-Kirche (in Bevagna), oder die charakteristische Pieve-di-San-Gregorio (in Castel Ritaldi). Umrahmt ist das Ganze von den umbrischen Köstlichkeiten wie dem Olio extravergine d’oliva, dem Speck, Zweikorn, Schweinefleisch, Trüffel und Honig.
Summa Summarum eine Route, die nicht nur den Gaumen erfreut, sondern auch den Durst nach Natur, Kunst, und Geschichte stillt.
Wer gegen Ende Juni die Stadtmauern von Bevagna durchschreitet, wird sich in das Mittelalter versetzt finden, in eine einfache Welt mit Karren, Heu und Stroh und nach altbewährten Rezepten zubereitete Speisen, zwischen Adeligen, Schlossfrauen und Leuten aus dem Volk: dem Mercato delle Gaite (10 Tage im Jahr).