DIE SAKRALEN SCHÄTZE DES CHIANTI

Von den ersten Jahrzehnten des 11. Jahrhunderts an bis zur Mitte des 13. Jahrhundert wurden im Tal des Chianti fast alle Sakralbauten, von den Pfarrkirchen bis zu den kanonischen Kirchen und Abteien, in romanischer Form rekonstruiert.

Wenn man die sanften Hügel des Chianti durchquert und die ruhige Via Chiantigiana entlang fährt, stößt man auf die bedeutendsten Vertreter sakraler Baukunst der Romanik. Die kanonischen Kirchen waren kleinere Kirchen, die Gruppen aus wenigen Priestern aufnahmen, die hier in einer Gemeinschaft lebten und sich dem Apostolat und der Fürsorge widmeten. Die bekannteren Abteien dienten als Kloster und waren Orte der Meditation und des Gebets. Die Bischofsresidenz wurde „Pfarrkirche“ genannt, auf italienisch „pieve“, was sich von dem lateinischen „plebs“ ableitet, das nicht nur „Pöbel“ und „Volk“, sondern auch „Pfarrer“ heißt - die Bezeichnung der Kirche leitet sich also vom Namen desjenigen ab, der der Kirche vorstand. Die Pfarrkirche („Pieve“) war außerdem in der romanischen Zeit der einzige Ort, an dem Taufen durchgeführt wurden.
Auf den grünen Hügeln von Greve angekommen, gelangt man zur Pieve di San Cresci in Monteficalle; der ursprüngliche romanische Bau wurde zu späterer Zeit mehrfach umgebaut, aber der Laubengang mit dem  von zwei zweigeteilten Fenstern flankierten Portal ist erhalten geblieben.
Wenn man weiter bis in die Ortschaft Mercatale läuft, stößt man auf die Abtei von Passignano, die eine der bedeutendsten Klostergemeinschaften der Toskana beherbergte. Die Abtei ist ein Komplex aus Gebäuden verschiedener Epochen, die im vergangenen Jahrhundert im Originalstil ausgebessert wurden. Vollkommen unversehrt geblieben ist dagegen die Krypta, ein kleiner, in drei von Sandsteinsäulen gestützte Kirchenschiffe geteilter Raum. Ein weiterer Rest der romanischen Originalkonstruktion besteht in dem gewaltigen Glockenturm, der mit gleichmäßigen Reihen eines für diese Gegend typischen Gesteins verkleidet ist, weißem „Alberese“. An der Spitze der von 1255 stammenden Kirchenfassade ist eine Marmorstatue des Erzengels Michael zu sehen – ein bemerkenswertes Kunstwerk.
Nachdem man die Abtei hinter sich gelassen hat, führt die Straße des Chianti hinunter in das Tal des Flusses Pesa und nach San Donato in Poggio, wo sich in unmittelbarer Nähe die allein stehende gleichnamige Pfarrkirche erhebt. Die Kirche mit ihren drei Schiffen und drei Apsiden fällt dadurch auf, dass sie fast vollkommen schmucklos ist. Die Schlichtheit der Raumeinteilung und die gleichmäßige Verkleidung mit Albarese-Steinreihen sind es, die die Pfarrkirche zu einem Paradebeispiel der klassischen geometrischen und räumlichen Formen der Florentiner Romanik machen.
Beim Weitergehen durch die warmen Farben und die Ruhe der Landschaft des Chianti in der Nähe von Valdarno erreicht man eine wichtige Vertreterin der Fondazione vallombrosana del Chianti, die Abtei San Lorenzo in Coltibuono. Die Kirche mit romanischem Grundriss besteht aus einem einzigen Schiff, das auf ein Querschiff in Form einer Apsis trifft. Die anhängigen Klostergebäude, die jetzt als Bauernhof dienen, enthalten Reste des Kreuzgangs und andere Strukturen, die einst Teil des romanischen Klosters waren.