DIE THERMEN DER ANTIKE

Eine Reise durch die Geschichte der antiken Thermaltradition, die heute nicht nur als Therapieform gilt, sondern vor allem auch als Möglichkeit für Urlaub und Erholung genutzt wird.

Die Thermalmedizin hat im Bereich orientalischer, auf die Wiederherstellung oder Erhaltung des körperlichen Wohlbefindens gerichteter Behandlungsmethoden eine uralte Tradition. Wie archäologische Funde und literarische sowie wissenschaftliche Überlieferungen belegen, war die Nutzung von Thermalwasser im Mittelmeerraum bereits zur Zeit der Antike bekannt. Die Griechen waren die ersten, die die Thermalquellen kannten und nutzten; danach kamen die Römer, die diesem Hilfsmittel zur Pflege und Entspannung durch den Bau großer öffentlicher “thermae” eine monumentale Bedeutung verliehen. Hier wurde das Wasser zu Zwecken der Hygiene und Pflege genutzt, bis die Bäder schließlich zunehmend als Orte der Unterhaltung und der Begegnung aufgefasst wurden. Im Mittelalter, als man bei jeder Gelegenheit die Genusssucht zu meiden suchte, veränderte sich dies grundlegend: die römischen Thermen wurden dem Verfall preisgegeben. Dank erster von Medizinern und Wissenschaftlern des 13. Jahrhunderts durchgeführter Studien wurde später die Verwendung von schwefelhaltigem Wasser wieder aufgenommen, jedoch ausschließlich zu Heilzwecken. 
Ein weiterer Entwicklungsschritt folgte zu späterer Zeit, als die Kurorte Italiens zu Zentren des Urlaubs und des mondänen Lebens wurden und Menschen aus allen Ländern Europas in ihren Bann zogen. Dies wirkte sich auch auf die Architektur dieser Zentren aus: auf der gesamten Halbinsel entstanden Villen, Hotels, Parks und Gärten. Das war der erste Schritt zum modernen Thermalismus, auch Elite-Thermalismus genannt, da er lediglich die Aufmerksamkeit der kulturell und wirtschaftlich besser gestellten Klassen anzog, die sich Erholungsaufenthalte in den mondänen Urlaubsorten leisten konnten.
Nach der dunklen Zeit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden Thermalkuren in das nationale Gesundheitssystem aufgenommen. Im letzten Jahrzehnt haben zahlreiche klinische, biologische, chemische und physikalische Forschungen die internationale Definition eines echten wissenschaftlichen Thermalismus begünstigt. Thermalwasserdämpfe wirken als natürliches Gesundheitsbad, entgiften den Organismus und regen das allgemeine Wohlbefinden des ganzen Körpers an. Neben dem Dampfbad bieten die Thermen auch eine Vielzahl individueller Behandlungen, die auf die speziellen Charakteristiken jedes Thermalbads zugeschnitten sind und unter ständiger Kontrolle durch spezialisiertes Personal stehen.  
Ein weiterer Schritt nach vorn erfolgte in jüngster Zeit. Der Thermaltourismus wird nicht mehr nur als Therapiemoment aufgefasst, sondern vor allem als Moment des Urlaubs, zum Wiedererlangen des körperlich-geistigen Wohlbefindens, wo sich klinische Therapien und moderne Schönheitsbehandlungen miteinander verbinden lassen. Dabei findet zunehmend auch ein Übergang von den traditionellen Kurbädern zu modernen Hoteleinrichtungen statt, die den immer höheren, komplexeren und weiterreichenden Ansprüchen der Gäste gerecht zu werden wissen.