GROSSETO, VOM KLEINEN HOFSTAAT ZUR GROSSEN STADT

Die Geschichte der Stadt ist unter anderem auch durch ständige Kämpfe gekennzeichnet, zuerst gegen Siena, dann gegen die Medici.

Die Geschichte

Die bisher ans Tageslicht gebrachten archäologischen Funde belegen, dass die ersten Spuren einer kleinen Siedlung auf dem Gebiet des heutigen Grosseto aus der Zeit der Etrusker stammen. Der Name der Stadt erschien jedoch erstmalig auf einem Pergament von 803 n.Chr., wo eine Siedlung “in loco Grossito” erwähnt wurde, die sich später als Lehnsgut der Aldobrandeschi herausstellte, einer Familie aus Lucca, die die Stadt veränderte, vom Schloss zum Hof und anschließend zur civitas machte, bis Siena die Grundlage für seine Expandierung in diesen Teil der Maremma legte. So wurden die ersten Stabilitätspakte geschlossen, um die Revolten und Aufstände zwischen den beiden Seiten zur Ruhe zu bringen: die vollständige Unterwerfung unter Siena erfolgte zwischen 1334 und 1336. Zu dem nun einsetzenden, fortschreitenden Verfall der Stadt kamen häufige Überfälle und Verwüstungen des Territoriums, wie zum Beispiel der Einfall napoleonischer Truppen unter König Alfons V. von Aragon im Jahr 1447 und die Entsendung von Landsknechtscharen unter Jacopo Piccinino im Jahr 1455. Die Herrschaft Sienas ging im Jahr 1559 definitiv zu Ende, als mit dem bewaffneten Eingriff von Kaiser Karl V. die Territorien von Siena in das Großherzogtum Toskana unter Cosimo I de Medici eingegliedert wurden. Der Einfluss der Medici hielt bis 1735 an; zwei Jahre später wurde durch das Wiener Abkommen, das dem polnischen Erbfolgekrieg ein Ende setzte, Lothringen dem Herzog Francesco Stefano weggenommen, als Entschädigung überließ man ihm das Großherzogtum Toskana. Ende des 18. Jahrhunderts verband sich die Geschichte von Grosseto mit der Französischen Revolution, der napoleonischen Herrschaft und der Restauration, im Zuge derer die Lothringer erneut den Thron bestiegen. Nach dem Volksbeschluss vom 15. Mai 1860 teilte die Stadt die Geschicke des Vereinigten Italienischen Reichs.

Die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten

Unser Ausflug in die toskanische Stadt beginnt auf der Piazza Fratelli Rosselli, wo sich der Palazzo del Governo und der Palazzo delle Poste befinden; zwischen der Via Borghi und Viale Matteotti erhebt sich der Mehrzweckkomplex Ludovico Quaroni. Von der Porta Nuova gelangt man schließlich zum Corso Carducci, der wichtigsten Straße des historischen Zentrums. Anschließend kommt man zum zwischen 1294 und 1302 erbauten und mehrfach restaurierten Dom. Das Museo Archeologico d’Arte, das sich auf der Piazza Baccarini befindet, umfasst zahlreiche archäologische und prähistorische Funde der Provinz von Grosseto sowie Gemälde Sienaer Meister aus dem 13. bis 17. Jahrhundert, Holzstatuen, Keramiken und Münzen. Einen Besuch verdient auch die Kirche San Francesco: sie wurde im 13. Jahrhundert im gotischen Stil gebaut und mehrfach restauriert; in ihrem Inneren findet man Fresken der größten Künstler des 14. Jahrhunderts. 
 
Die Umgebung

Bei der Erwähnung einiger Orte des Hinterlands von Grosseto möchten wir hier zunächst an die Isola del Giglio erinnern, die wie die anderen sechs Inseln des Parco Nazionale dell’Arcipelago Toscano reich an typisch mediterraner Flora und Fauna ist: bei einer Erkundung ihrer Pfade findet man sich inmitten von Düften, Klängen und Farben, die man längst verloren glaubte. Die Insel ist dank ihres Abwechslungsreichtums sowohl das ideale Ziel für diejenigen, die sich einen erholsamen Urlaub im Kontakt mit der Natur wünschen als auch für diejenigen, die Strände, Meer und mondänes Leben suchen. An der tyrrhenischen Küste dagegen liegt Follonica mit ausgeprägter Metall-, Papier- und Chemieindustrie. In den letzten Jahren hat sich in diesem Städtchen auch ein Badetourismus mit einem großen Angebot für eine in jeder Hinsicht anspruchsvolle Klientel entwickelt. Castiglione della Pescaia, zur Zeit der Etrusker und der Römer eine wichtige Hafenstadt, gilt heute als Zentrum der Fischerei und berühmter Badeort. Neben der bereits genannten Isola del Giglio gehört auch die Isola di Giannutri zur Provinz von Grosseto: sie ist klein, aber sehr reizvoll. Sie lässt sich innerhalb von zwei Stunden vollständig durchstreifen und bietet die idealen Voraussetzungen für einen wunderbar entspannenden Tag, an dem man auf einsamen Wegen an Klippen und mediterraner Macchia entlang spazieren kann, während Möwenschwärme über dem Meer kreisen. Schließlich Saturnia, antikes etruskisches und römisches Zentrum, heute kleiner ruhiger Urlaubsort, der die Nähe der schwefelhaltigen Thermalquellen zu nutzen weiß.