KUNST UND HANDWERK

Sizilien ist nicht nur ein Meer aus unbeschreiblichen Farben, sondern auch ein Land voller Traditionen und Volkskunst, in denen die Einflüsse der zahlreichen Völker, die hier gelebt haben, deutlich spürbar sind.

Eines der Wahrzeichen dieser Insel ist die Keramikkunst. Es ist schwierig, dem Beginn dieser Tradition ein genaues Datum zu geben, denn es existieren keine diesbezüglichen Dokumente. Man kann jedoch mit Sicherheit sagen, dass der Grundgedanke der Herstellung und Bemalung von Keramik aus arabisch-moslemischen Einflüssen entstand. Die Stadt mit der in diesem Sinne ältesten Tradition ist Caltagirone. Ihr Name kommt ebenfalls aus dem Arabischen und heißt in etwa “Festung der Vasen” (“Qal’at al Ghiran”). Im Jahr 827 ließen sich arabische Keramiker, die viele Techniken beherrschten (wie zum Beispiel die Verglasung) in dieser Gegend mit der roten, tonerdehaltigen, zur Keramikherstellung idealen Erde nieder. Berühmt sind die so genannten „quartare caltagironesi”, Majolika-Behältnisse, die zur Aufbewahrung von Honig und Gewürzen verwendet wurden. Außerdem wurden Vasen mit Verzierungen und Reliefs, Statuetten, Waschbecken, dekorative Elemente für Kirchenfassaden und Privatwohnsitze hergestellt; ab dem 17. Jahrhundert verlegte man in Caltagirone auch geflieste Fußböden. Dank des Engagements des Istituto Statale d’Arte per la Ceramica ist die lokale Produktion noch heute lebendig.
Zweihundert Jahre arabischer Herrschaft haben auch in der Küche Spuren hinterlassen. Die Sarazenen waren es, die dem sizilianischen Volk Pasta und Reis brachten, aus dem sie die so genannten „arancini“ (Reiskroketten) herstellten. Sie waren es auch, die Süßigkeiten wie Marzipan, Cannoli (süße gefüllte Teigröllchen), Sorbet, Granita und die berühmte Cassata erfanden. Letztere ist eine Torte aus weichem Biskuit, der in Maraschino-Likör getränkt und mit einer Creme aus Ricotta und Zucker, kandierten Früchten, Zartbitterschokoladenstückchen und Pistazien gefüllt wird – anschließend wird sie mit Zuckerguss überzogen und nach Belieben dekoriert. Eine weitere Spezialität sind die Granitas und das sizilianische Eis. Auch die Granita ist eine Erfindung dieses Volkes des Mittleren Ostens: man erzählt sich, dass die Araber vom Gipfel des Vulkans Ätna geholten Schnee mit Honig und dem Saft von Zitrusfrüchten vermischten und zu Brot genossen. Das ist auch der Ursprung der typisch sizilianischen Tradition, die Granita gemeinsam mit weichem Hefegebäck zu sich zu nehmen. 
Eine alte Tradition, die im Laufe der Zeit jeweils von Meister zu Schüler weitergegeben wurde, ist die des “puparo”, des Marionettenbauers, aus dessen Hand Rittermarionetten mit glänzenden Rüstungen, leuchtenden Federbüschen und blitzenden Schwertern erstanden. Die offizielle Entstehung dieser Kunst geht auf den Anfang des 19. Jahrhunderts zurück, als das Volk es sehr liebte, Vorführungen dieser Marionetten beizuwohnen, die in Wandertheatern auftauchten und von den Taten mutiger Helden und französischer Paladine berichteten. Der „cunista" – der volkstümliche Ausdruck für “puparo” - war der wahre Urheber dieser Tradition. Nachdem er das Holz geschnitzt und seine Puppen angezogen und bemalt hat, versteckt er sich hinter dem Vorhang und beginnt mit der Vorstellung, indem er die Figuren bewegt und den Personen seine Stimme leiht, die sich auf der kleinen Bühne in lustigen Duellen herausfordern, um Geld und Ruhm zu erlangen.

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