ORA ET LABORA

Gebet, aber auch manuelle Arbeit, Fürsorge und Hilfe für die Armen. Das war die Lebensauffassung des Heiligen Benedikt von Nursia, dem Vater der Benediktiner und Patron Europas.

Zauberhafte Landschaften und faszinierende historische Zeugnisse begleiten den Weg eines einfachen Menschen, der sein Leben ganz und gar dem Herren widmete: der Heilige Benedikt von Nursia.

 

 

Das Städtchen Nursia (ital. Norcia) ist in die herrlichen Sibyllinischen Berge eingebettet und liegt in einer grünen, von der antiken Via Flaminia durchquerten Mulde. Im Zentrum dieser berühmten mittelalterlichen Stadt erhebt sich die dem Heiligen geweihte Kirche, die der Tradition zu Folge an Stelle des Hauses erbaut wurde, in dem Benedikt und seine Schwester Scolastica im Jahre 480 auf die Welt kamen. Beide wurden später heilig gesprochen.

 

 

Der lateinische Leitspruch Ora et Labora (Bete und arbeite) ist die Grundregel, auf der die Predigten des Heiligen fußten. Benedikt, der in jüngerer Zeit zum Patron Europas erklärt wurde, revolutionierte die Art der Auffassung eines Gott geweihten Lebens, indem er den Benediktinerorden schuf, der nicht nur der Annäherung an Gott und dem Gebet gewidmet war, sondern auch der manuellen Arbeit, der Fürsorge und der Hilfe für die Armen.

 

 

Dieser Orden sorgte dafür, dass die Klöster nunmehr nicht nur Zentren des religiösen, sondern auch des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens waren. In Subiaco war es, wo der Schutzpatron Europas seine erste Kongregation gründete. Hier, wo sich die denkwürdige „Heilige Höhle“ (“Grotta del Sacro Speco”) befindet, in der der Heilige die ersten drei Jahre seines Lebens als Mönch zubrachte, befinden sich zwei Klöster: San Benedetto und Santa Scolastica, in denen auch antike Manuskripte und Miniatur-Gesetzessammlungen ebenso wie das erste in Italien gedruckte Buch von 1465 verwahrt werden. Einer alten Legende zu Folge soll in der Nähe der abgelegenen Grotte aus einem von dem Heiligen in die Erde gesteckten Stock ein riesiger Kastanienbaum gewachsen sein, der noch heute den zahlreichen Pilgern, die das Kloster besuchen kommen, Schutz spendet.  

 

 

Von großem Reiz ist auch das Wunder des wieder zusammen gesetzten Siebs, das sich ebenfalls in der Nähe von Subiaco ereignet haben soll. Die Amme von Benedikt hatte sich ein Sieb ausgeliehen, das ihr zerbrach. Benedikt, der die Tränen der unglücklichen Frau sah, versuchte sie zu trösten und setzte es Scherbe für Scherbe wieder zusammen.

 

 

13 Klöster gründete der Heilige Benedikt insgesamt. Das wichtigste von ihnen ist zweifelsohne das Kloster von Montecassino, das vollständig von dem Heiligen entworfen wurde, der am 21. März 547 hier starb. Man erzählt sich, dass er sechs Tage vor seinem Tod anordnete, das Grab zu öffnen und dass er, als er seine Stunde nahen fühlte, hier, von seinen Jüngern gestützt, seine Seele dem Herren anvertraute.