ORISTANO UND CAMPIDANO

Oristano liegt in einer Schwemmlandebene des Flusses Tirso zwischen dem linken Flussufer und der Santa Giusta-Lagune. Besonderes Kennzeichen der Provinz Campidano ist ein ausgesprochen abwechslungsreiches Landschaftsbild, das sich von renommierten Badeorten an der Westküste der Insel bis hin zu den charakteristischen Ortschaften im Landesinneren spannt.

Die Geschichte

Von der Geschichte des antiken Aristanis ist wenig bekannt. Die Entstehung des ersten Ortskerns wird mit 1070 datiert, als die Bevölkerung das in der Nähe gelegenen Tharros, das von den Saraszenen zerstört worden war, verließ, um sich in Aristanis niederzulassen. Im XII. Jahrhundert war Oristano die Hauptstadt des Judikats Arborea und erlebte dank des regen Handelsverkehrs mit Pisa und Genua einen beachtenswerten wirtschaftlichen Aufschwung. Nach dem 1388 zwischen dem Richter Eleonora d’Arborea und Giovanni d’Aragona geschlossenen Friedensvertrag wurde die Stadt im Jahre 1478 endgültig den Aragonern unterstellt. Anschließend, unter spanischer Vorherrschaft, erlebte die Stadt die düsterste Phase ihrer Geschichte. 1720 wurde sie wie ganz Sardinien dem Piemont und dem Königreich von Sardinien annektiert. Oristano liegt in der Schwemmlandebene des Tirso zwischen dem linken Flussufer und der Lagune Santa Giusta, nicht unweit vom Golf, von dem die Stadt ihren Namen bezieht. Die Landschaft zeichnet sich trotz ihrer beschränkten Fläche durch ein abwechslungsreiches Bild aus, das von Sandstränden bis zu den Felsen des Montiferru reicht.

Die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten

Oristano ist für seine zahlreichen antiken Plätze und Bauten bekannt, wie die Piazza Manno, der von den Piemontesen gebaute und Anfang des XX. Jahrhunderts teilweise umgebaute Erzbischofspalast (Palazzo Arcivescovile) mit seiner berühmten „Gottesmutter mit dem Kinde“, die Kathedrale Santa Maria Assunta mit ihrem im 15. Jahrhundert errichteten Glockenturm mit achteckigem Grundriss, die um 1250 gebaute Kirche San Francesco, die Anfang des XIX. Jahrhunderts völlig zerstört und anschließend von Gaetano Cima neu errichtet wurde, die Piazza Eleonora, die als Zentrum der Stadt gilt und nach jener heldenhaften Richterin benannt wurde, die einst die Regierung von Oristano übernahm und als Verfasser der „Carta de Logu” bekannt wurde, und der im XIII. Jahrhundert im Auftrag des Richters Mariano II errichtete gleichnamige Turm, das einzige erhalten gebliebene Bauwerk der alten Ringmauer. Die „Carta de Logu” war ein wichtiges Werk, das die Voraussetzung für eine organische und kohärente Rechtsordnung schuf, die schließlich in einem „Rechtsstaat“ münden sollte; sie bezog sich auf das Zivil- und Strafrecht sowie auf das Landrecht. Dieses fortschrittliches Gesetzesbuch fand, wenn auch unter bestimmten Schwierigkeiten, nicht nur bis zum Ende der Judikatsregierung sondern auch unter der Regierung der Spanier und Savoyer Anwendung, bis im April 1827 der von Carlo Felice verfasste Gesetzeskodex eingeführt wurde.

Die Umgebung

Im Hinterland von Oristano finden wir zahlreiche interessante Ortschaften und Bauwerke, wie Arborea mit der Piazza Santa Maria Ausiliatrice, der neugotischen Pfarrkirche und dem Ratshaus im Jugendstil, oder die reizvolle Ortschaft Cabras mittelalterlichen Ursprungs. Das zur Region Montiferru gehörige Santu Lussurgiu dagegen entstand im Umkreis einen vulkanischen Kraters  und ist für sein Kunsthandwerk, seine Teppiche und seine fein geschnitzten Holztruhen bekannt. Schließlich darf der in der Mitte Sardiniens gelegene Stausee Omodeo nicht vergessen werden, der 1923 einige Kilometer von Abbasanta entfernt durch Stauung des Tirso-Strom angelegt wurde; lange Zeit galt dieser Stausee als Bauwerk der Avantgarde und als der größte künstlich angelegte See Europas.