PRATO, DIE STADT DES HANDELS

Der Name der Stadt leitet sich von einer großen Wiese (“prato”) ab, auf der die Märkte abgehalten wurden und die zur Piazza Mercatale geworden ist - dem Symbol für den hier seit der Antike vorherrschenden Unternehmergeist.

Die Geschichte

Einige wichtige archäologische Funde, auf die man in der Provinz von Prato gestoßen ist, bezeugen, dass dieses Territorium bereits im 5. Jahrhundert vor Christus besiedelt war – zunächst von ligurischen Völkern, anschließend von Etruskern und Römern. Bereits in der Antike hat Prato eine große wirtschaftliche und politische Rolle gespielt, da auf seinem Territorium wichtige Verbindungsstraßen wie die Via Cassia und die früheren etruskischen Straßen verliefen. Nach dem Niedergang des römischen Reichs wurde das Gebiet von Byzantinern und Langobarden besetzt, während die Regierung der Stadt und ihrer Umgebung im 11. Jahrhundert an das Adelsgeschlecht Alberti überging. Unter dieser Dynastie erlebte die Stadt einen großen Aufschwung, der bis 1107 anhielt, als sie von der Armee unter Mathilde von Canossa zerstört wurde. Infolge der Kämpfe zwischen Guelfen und Ghibellinen ersuchte Prato den König von Neapel um Hilfe, aber dieser Schutz erwies sich als fatal: es wurde an die benachbarte Florentinische Republik verkauft. Also musste Prato das Schicksal der florentinischen Republik und dann des Herzogtums Toskana teilen und verlor seine politische, nicht jedoch seine wirtschaftliche, künstlerische und kulturelle Bedeutung. Bis in die 1990er Jahre waren Prato und seine Umgebung zur Provinz von Florenz gehörig, im Jahr 1992 erhielt Prato nach vielen Jahrhunderten durch die Gründung einer aus sieben Gemeinden bestehenden Provinz seine Autonomie zurück.

Die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten

Das historische Stadtzentrum wird von zwei großen Plätzen beherrscht: der Piazza del Duomo, in deren Mitte der romanische Dom steht, und der Piazza del Comune, auf der sich die Kirche San Domenico und das anhängige Museum befindet. In Prato gibt es auch das Museum für zeitgenössische Kunst “Luigi Pecci” und das Domschatzmuseum, das im Bischofspalast (“Palazzo Vescovile”) untergebracht ist, aus dem 16. Jahrhundert stammt und eines der bedeutendsten Werke von Donatello, den „Tanz der Putten“ (“Danza dei Putti”) birgt. Auf der Piazza del Comune, die von einer Reproduktion des Springbrunnens des Bacchino (kleiner Bacchus) geziert wird, befindet sich das Stoffmuseum (“Museo del Tessuto”), in dem man sich Stücke von kostbaren Stoffen sowie Muster von bei Ausgrabungen ans Tageslicht gekommenen und ethnischen Stoffen anschauen kann. Eine der wichtigsten Kirchen der Stadt ist Santa Maria delle Carceri aus der Zeit der Renaissance, während wir von den anderen Bauwerken hier den Palazzo Datini, ein seltenes Beispiel für Bauten der Vorrenaissance, die  Galleria degli Alberti, die gotische Kirche San Domenico und das Museum für Wandmalerei („Museo di Pittura Murale“), das zum wichtigsten Ausstellungszentrum der Stadt geworden ist, nennen möchten. 

Die Umgebung

Zu den größten Ortschaften der Provinz von Prato gehören Poggio a Caiano und Vernio. Das erste ist ein bedeutendes Gewerbezentrum mit Vertretern der Wein-, Textil- und Schuhherstellung sowie Gerbereien. Hier steht auch die von Lorenzo de Medici und seinen Erben als Sommerresidenz der Familie erbaute Villa medicea. Als obligater Aufenthaltsort neuer großherzoglicher Verlobter gehören zum Komplex der Villa weitere Gebäude wie die Kapelle, der Küchentrakt und der neoklassizistische Wintergarten. Von großem Interesse sind auch die sie umgebenden Parkanlagen, von denen nur ein Teil als englischer Garten mit schattigen Alleen und charakteristischen Eckchen angelegt ist, während der andere Teil das Aussehen eines italienischen Gartens behalten hat, mit einem zentralen Becken und zahlreichen Zitronenbäumchen. In Vernio kann man das Labormuseum “Museo Laboratorio di Terricoli” zum Thema “Die Bauernkultur von der Mühle zur Fabrik” besichtigen: das Museum geht den traditionellen Arbeitstechniken im Tal des Bisenzio nach, basierend auf einer Auswahl signifikanter Gegenstände, die zum besseren Verständnis mit entsprechenden Zeichnungen erläutert sind. Ein didaktisches Labor ermöglicht mit Computern und Filmvorführungen eine entsprechende Vertiefung der Kenntnisse. In der Nähe von Vernio stößt man auf San Quirico und seine Burg, die ab der Mitte des 17. Jahrhunderts den Grafen Bardi als Residenz diente.