SIENA, DIE STADT DES PALIO

Die Stadt ist berühmt für ihre alljährlichen Feierlichkeiten, mit denen sie antike Sitten und Bräuche wieder aufleben lässt. Das Territorium von Siena besteht vorwiegend aus der Gegend des Chianti, die auf der ganzen Welt für ihre zauberhaften sanften Hügellandschaften bekannt ist.

Die Geschichte

Der Legende nach wurde Siena von einem senonischen Gallier-Stamm gegründet, historische Zeugnisse belegen jedoch, dass die Stadt unter dem Namen Sena von den Etruskern errichtet wurde. Zur Zeit von Augustus wurde es von den Römern erobert und auf “Saena Iulia“ getauft. Unter den Franken erhielt es eine große Bedeutung, als es zur Residenz eines Grafen bestimmt wurde, aber der von dem lebhaften Handel und den angehäuften Reichtümern gekennzeichnete Aufschwung führte zu gesellschaftlichen Kämpfen, die dann in einem ideologischen Konflikt zwischen den Verfechtern des Papsttums und den Kaisertreuen gipfelten. Siena blieb im Gegensatz zum guelfischen Florenz stets ghibellinisch. In der Folgezeit veränderte sich die Regierungsstruktur durch das ständige Abwechseln von Adeligen und Leuten aus dem Volk kontinuierlich. Die gegnerischen Seiten nutzten bei ihrer Machtergreifung jeweils die Unterstützung des Kaisers bzw. des Papststaats. 1554 wurde die Stadt von den Kaiserlichen besetzt und unter die Herrschaft der Medici gezwungen, so dass es dann die Geschicke des Großherzogtums Toskana teilte. Siena ist eine mittelalterliche Stadt, was auch an bedeutenden Veranstaltungen wie dem “Palio“, der vom 2. Juli bis 16. August auf der  Piazza del Campo ausgetragen wird, unschwer erkennbar ist.

Die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten

Die Stadt ist noch heute in drei Teile geteilt: ein Drittel („Terzo“) ist die “Città”, der ursprüngliche Stadtkern Sienas, dessen erste Befestigungsanlage das Castelvecchio war; ein Drittel besteht im so genannten „Terzo di Camollia“ und ein Drittel im „Terzo di San Martino“, auf der „Grenzlinie“ zwischen ihnen liegt die Piazza del Campo. Die Stadt sollte man sich ganz und gar anschauen, mit ihren 15 Museen, in denen bedeutende Werke der Sieneser und italienischen Kunst und Geschichte ausgestellt sind. Der Botanische Garten, das Museum für Archäologie, die Pinacoteca Nationale und das Museo delle tavolette sind nur einige wenige dieser vielen Ausstellungszentren. Keinesfalls entgehen lassen darf man sich die von Pinturicchio mit Fresken über das Leben von Pio II. verzierte Libreria Piccolomini, das Museo dell’Opera mit Gemälden, Skulpturen und Kirchengerät und die Piazza del Campo, die sich an der Grenze zwischen dem Terzo di Città und dem Terzo di San Martino befindet und heute genauso wie schon im Mittelalter das Herz Sienas darstellt. Der stets als Treffpunkt der Bevölkerung bei Veranstaltungen und Events genutzte Platz war einst eine große Wiese, die später zur Piazza dal Governo dei Nove wurde (seine Einteilung in neun Segmente erinnert noch heute an die Anzahl der damaligen Regierenden). Jedes Jahr vom 2. Juli bis 16. August findet hier der Palio statt, ein Pferderennen mit historischem Umzug. Der Palazzo Pubblico ist das Sinnbild für die Unabhängigkeit und wirtschaftliche Macht der Sieneser Oligarchie  und weltweit eines der bedeutendsten Beispiele für gotische Zivilbaukunst. Noch heute befinden sich hier der Sitz der Stadtverwaltung von Siena sowie das Stadtmuseum. Schließlich der Dom, der mit seiner schwarz-weißen Marmorverkleidung und der Fassade von Giovanni Pisano den Platz beherrscht und ein echtes Meisterwerk römisch-gotischer Architektur ist.

Die Umgebung

Täler, Schlösser, Landgüter, kleine Weinberge, eingefügt in einen zauberhaften landschaftlichen und klimatischen Zusammenhang, in dem sich Wälder, Felder und Bauernhöfe mit langer Geschichte abwechseln, die in herrliche Hotels und Agritourismen verwandelt wurden und sich für unvergessliche Aufenthalte anbieten. Eine Vielzahl saisonbedingter Riten wie die Lese und Pressung der Oliven, Ausstellungen, Konzerte, Initiativen und Begegnungsmöglichkeiten. Das alles ist, in wenige Worte zusammengefasst, der Chianti, eine Art großes Open-Air-Theater vor dem Hintergrund der Stadt Siena. Historisch mit dem Schicksal der angrenzenden Territorien verbunden, ist der Chianti eine unerschöpfliche Quelle kultureller, menschlicher, landschaftlicher und touristischer Ressourcen sowie die Seele der weingastronomischen Tradition der Toskana. In der Nähe von Siena befinden sich u.a. die historischen Ortschaften Radda in Chianti, Gaiole in Chianti, Castellina und Castelnuovo Berardenga, an deren Lage man die Verteidigungslinien zwischen den Republiken Siena und Florenz zurückverfolgen kann. In der Provinz von Siena gibt es auch viele Thermalkurorte wie z.B. Chianciano Terme und Montepulciano. Chianciano liegt im südlichen Val di Chiana und gehört mit zahlreichen Thermalquellen, die zur Heilung von Leber- und Gallenleiden besonders geeignet sind, zu den wichtigsten Thermalstationen. Montepulciano dagegen befindet sich in traumhafter Lage auf einer Anhöhe zwischen dem Val d’Orcia und dem Val di Chiana. Hier wurde der berühmte Renaissance-Dichter Agnolo Amborgini geboren, der in Anlehnung an den lateinischen Namen des Ortes (Mons Politianus) Poliziano genannt wurde.