SONDRIO UND DIE “ANDERE SEITE DER LOMBARDEI”

Die lombardische Stadt liegt an der Schweizer Grenze und ist der historische Transitort der helvetischen Nation.

Die Geschichte

Die Stadt, die römischen Ursprungs ist und zur Zeit der Langobarden bereits sehr aktiv war, ging im 14. Jahrhundert an die Visconti und nachfolgend an die Sforza über. 1336 gelangte es gemeinsam mit dem ganzen Valtellina in den Herrschaftsbereich des Herzogtums Mailand. 1512 übernahmen die Grigioni die Macht und es wurde zum Sitz des Gouverneurs und zum Hauptort des ganzen Tals. Dieser Zeitraum war durch eine bedeutende wirtschaftliche Entwicklung der Stadt gekennzeichnet, die von ihrer geographischen Lage inmitten der meistfrequentierten Straßen jener Zeit zu profitieren wusste. Mit der Ankunft von Napoleon wurde Sondrio ab 1797 Teil der Zisalpinischen Republik und 1805 zur Hauptstadt des Departements von Adda und Oglio. Ab 1815 war es Hauptort der Provinz des Lombardisch-Venezianischen Reichs und 1859, nach der Befreiung durch Garibaldi, wurde es Teil des Italienischen Reichs.

Die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten

Sondrio wird von dem Wildbach Mallero durchquert und hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt. Dennoch konnte es sich ungeachtet einiger moderner Bauwerke die Charakteristiken eines Gebirgsortes bewahren. Es ist zwar vor allem eine Transitstadt der Touristen, die auf dem Weg in die Schweiz und die berühmtesten Urlaubsorte sind, besitzt aber eine ausgeprägte Identität, die sich in den auf dem Territorium präsenten Baudenkmälern widerspiegelt. Das Stadtzentrum wird durch die Paläste Sertoli und Sassi, die sich in der Nähe der Piazza Quadrivio befinden, vom Schloss Masegra – das man von der Piazza Garibaldi aus sieht -, von der Stiftskirche Santi Gervasio e Protasio und vom Rathaus, dem Palazzo Pretorio, geprägt. Die Stadt hat auch interessante Ausstellungen zu bieten, zu denen das Museo Valtellinese di Storia e Arte gehört, in dem Fresken, Holzstatuen, Goldschmiedearbeiten und Sakralkunst zu sehen sind. An den Hängen, die die Stadt umgeben, befinden sich Ortsteile, die bis zur Nachkriegszeit landwirtschaftliche Zentren waren und sich mittlerweile zu richtigen Wohngebieten entwickelt haben, in denen man auch einige Baudenkmäler wie die Kirche und das Kloster San Lorenzo (ehemals Schloss San Giorgio) bei Sant’Anna, die Kirche San Bartolomeo Mossini und schließlich die Kirche della Madonna della Sassella findet.

Die Umgebung

Die Stadt gehört zu jenem Gebiet, das allgemein “die andere Lombardei” genannt wird, die Lombardei der Berge mit großen Wasserreserven. Es handelt sich jedoch um ein Gebiet, das auf Grund der Gebirgsformation, die die Aktivitäten und das tägliche Leben stark beeinflusst, lange Zeit sehr arm war. Im Laufe der Zeit haben sich überwiegend die Orte in der Talsohle und entlang des Flusses Adda entwickelt, wo verstärkt Landwirtschaft betrieben werden kann. Die Provinz von Sondrio umfasst auch die Rätischen Alpen mit ihren ständig schneebedeckten Gipfeln im Einzugsbereich von Stelvio und Monte Spluga, das Valtellina und schließlich das Valchiavenna, das am Comer See endet. Die wichtigsten Orte der Provinz sind: Bormio, ein sommers wie winters beliebter Urlaubsort, der sich am Eingang des Valfurva befindet; Livigno, eine in der Talsohle einer glazialen Mulde ausgedehnte Ortschaft mit modernen Skianlagen, die auch als Duty-Free-Zentrum zum zollfreien Einkauf bestimmter Produkte beliebt ist; Tegno, die antike Hauptstadt, die dem Tal seinen Namen verliehen hat.