TARENT “LA GRECA” (GRIECHISCHES TARENT)

Die vielen künstlerischen und kulturellen Schönheiten der Stadt verbinden sich mit seiner modernen wirtschaftlichen Bedeutung.

Die Geschichte

Tarent, das im 8. Jahrhundert v.Chr. von spartanischen Siedlern gegründet wurde, begann zu einem mächtigen Zentrum und schließlich zum Protektorat der griechischen Macht zu werden: im 4. Jhd. v.Chr. erlebte es seine Blütezeit und wurde zur wichtigsten Stadt eines Bundes zwischen den Städten Großgriechenlands. Von der dereinst so reichen und stark bevölkerten Stadt sind uns heute nur die Säulen des Poseidon-Tempels geblieben. Der Reichtum von Tarent war so groß, dass es unvermeidlicherweise in einen Konflikt mit den Römern gelangte; es übertrug seine Verteidigung einer von Pyrrhus, dem König von Epirus, befehligten Armee zusammengesetzt aus griechischen Söldnern. Die Stadt ergab sich 272 v.Chr. und verkleinerte sich in der Folge durch die Konkurrenz des nahen Brindisi bis auf den Kern der heutigen Altstadt. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Stadt von Goten, Langobarden, Sarazenern, Byzantinern, Normannen, Schwaben und dem Haus Anjou besetzt und war Schauplatz von Kriegen zwischen Spaniern und Franzosen, Türken, Venezianern und Barbaresken. Infolge dieser Kämpfe, von Epidemien und Misswirtschaften wurde die Stadt schließlich in die Knie gezwungen. Die Franzosen waren es, die ihre strategische Bedeutung für die Schifffahrt wieder entdeckten und sie zum Schutz gegen Engländer und Russen mit Befestigungsanlagen versahen. Nach 1860 wurde Tarent durch die Eröffnung des Militärhafens zu einem Bollwerk der Marine. Nach dem zweiten Weltkrieg, als die Bedeutung ihrer kriegstechnisch strategischen Lage sich vermindert hatte, wurde die Stadt zu einem Zentrum der Eisen-, Zement- und Erdölindustrie, die Tarent zum dritten Mal zum Leben erweckte. 

Die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten

Das Museo Archeologico Nazionale ist nach dem neapolitanischen das wichtigste Museum für Archäologie Süditaliens und stellt eine wichtige Etappe für diejenigen dar, die die Geschichte Großgriechenlands kennen wollen. Das 1881 gegründete Museum umfasst viele Funde, die in der Stadt und ihrer Umgebung ans Tageslicht gekommen sind: den Zeus aus Bronze von Ugento, den Kopf der Athene mit Korintherhelm, den verschleierten Kopf von Augustus. Bemerkenswert ist auch die Keramikproduktion, bei der ein mit Fischen verzierter Pokal und die Keramik von Gnathia hervorstechen, sowie die Goldschmiedearbeiten einschließlich kostbarer Diademe aus Goldfolie. Das Schloss und der Dom sind weitere Beispiele für die Schönheit von Tarent: das Schloss wurde am Ende des 15. Jahrhunderts von Ferdinand von Aragon zur Kontrolle der westlichen Stirnseite des Kanals errichtet, der Dom verfügt über eine Barockfassade, bei der man nur an den Seiten Spuren der ursprünglich romanischen Struktur erkennen kann. 

Die Umgebung

Castellaneta, das von der größten Kluft ganz Apuliens flankiert wird und in den Aushöhlungen des Felsens seine Bewohner vor den Überfällen der Piraten schützte. San Marzano di San Giuseppe, das auf einem Kalkfelsen der Murge Taratine gelegen ist und dessen Bevölkerung albanische Ursprünge hat. Mottola, das sich auf einem Hügel erhebt, wo Pyrrhus vom römischen Konsul Curius Dentatus geschlagen wurde, hat uralte Ursprünge, von denen die majestätischen megalithischen Mauern zeugen. Massafra, dessen Bedeutung in den ausgedehnten Zitrus- und Olivenhainen besteht, war einst nur von Bauern und Schäfern besiedelt, bevor Mönche es zu ihrem Arbeitsort erwählten. Martina Franca, das sich im südlichen Teil der Murgia dei trulli befindet, ist eine typische Stadt mit vollends weißen Häusern. Schließlich möchten wir hier an Grottaglie erinnern, das berühmt für seine Keramikproduktion ist. Diese Tradition geht auf die griechische Herrschaft zurück und gab bereits im 18. Jahrhundert mehr als 5.000 Personen einen Arbeitsplatz in den 42 Fabriken. Die Stätte ist außerdem für das Vorhandensein der zahllosen Grotten und Höhlenkirchen der „Basilianermönche“ berühmt, die sich in den Felsen in der Nähe der Ortschaft befinden.